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Matter bleibt die große Hoffnung – warum die Smart-Home-Branche weiter auf den Standard setzt

Von Mag-Info Tech editorial · 2026-06-28

Matter bleibt die große Hoffnung – warum die Smart-Home-Branche weiter auf den Standard setzt

Vor vier Jahren wurde Matter in einem Raum mit Blick auf einen Amsterdamer Kanal offiziell vorgestellt. Der neue Standard sollte das Ende der Fragmentierung im Smart Home einläuten. Statt dutzender inkompatibler Protokolle und Apps sollte ein gemeinsamer Standard her, der Geräte unterschiedlicher Hersteller endlich nahtlos zusammenarbeiten lässt. Doch die Realität sieht heute anders aus: Matter ist verfügbar, aber längst nicht überall. Warum setzt die Branche trotzdem weiter auf den Standard?

Der Traum von der einheitlichen Smart-Home-Welt

Als Apple, Google, Amazon und andere Tech-Riesen 2022 die Gründung der Connectivity Standards Alliance (CSA) bekanntgaben, war die Euphorie groß. Matter sollte nicht nur ein Protokoll sein, sondern ein Ökosystem, das Hersteller, Entwickler und Nutzer verbindet. Der Grundgedanke war einfach: Statt proprietärer Lösungen, die nur mit bestimmten Ökosystemen funktionieren, sollte ein offener Standard entstehen, der unabhängig von Marke oder Plattform funktioniert. Das Ziel war klar – die Smart-Home-Branche brauchte dringend eine gemeinsame Sprache, um das Wachstum nicht durch Inkompatibilität zu behindern.

Doch die Umsetzung erwies sich als komplexer als gedacht. Während die CSA betont, dass Matter auf bestehenden Technologien wie Thread, Wi-Fi und Ethernet aufbaut, zeigt die Praxis: Viele Geräte unterstützen den Standard noch immer nicht oder nur eingeschränkt. Die Gründe dafür sind vielfältig. Einige Hersteller zögern, weil sie ihre eigenen Ökosysteme schützen wollen. Andere haben schlichtweg keine Ressourcen, um ihre bestehenden Produkte umzustellen. Wieder andere warten ab, ob sich Matter tatsächlich durchsetzt, bevor sie in die Entwicklung investieren. Die Folge: Selbst vier Jahre nach dem Start ist Matter noch kein flächendeckender Erfolg.

Die technischen Hürden: Warum Matter nicht überall funktioniert

Ein zentrales Problem ist die technische Integration. Matter soll über das lokale Netzwerk funktionieren, doch viele Geräte benötigen zusätzlich Cloud-Anbindungen oder spezielle Gateways. Das führt dazu, dass Nutzer trotz Matter oft noch auf proprietäre Apps oder Dienste angewiesen sind. Besonders bei älteren Geräten oder solchen mit proprietären Funkprotokollen wie Zigbee oder Z-Wave ist die Umstellung schwierig. Hersteller müssen nicht nur die Hardware anpassen, sondern auch die Firmware und teilweise sogar die gesamte Architektur ihrer Produkte.

Ein weiteres Hindernis ist die mangelnde Unterstützung bei älteren Smart-Home-Zentralen. Viele Nutzer besitzen noch Geräte, die vor Matter entwickelt wurden und nun nicht mehr kompatibel sind. Zwar gibt es Updates und Adapterlösungen, doch diese sind oft unvollständig oder erfordern technisches Know-how. Die CSA versucht gegenzusteuern, indem sie kontinuierlich neue Versionen von Matter veröffentlicht und Hersteller bei der Zertifizierung unterstützt. Doch der Prozess ist langsam, und nicht alle Unternehmen halten mit.

smart home devices on shelf

Die Rolle der Tech-Giganten: Wer treibt Matter wirklich voran?

Apple, Google und Amazon haben Matter von Anfang an als strategisches Projekt vorangetrieben. Doch während Apple und Google Matter in ihre eigenen Ökosysteme integriert haben, bleibt Amazons Engagement eher zurückhaltend. Die Gründe dafür sind unklar, könnten aber mit Amazons Fokus auf Alexa und dessen proprietären Lösungen zusammenhängen. Dennoch zeigen alle drei Unternehmen öffentlich ihre Unterstützung für Matter – zumindest auf dem Papier.

Doch hinter den Kulissen gibt es unterschiedliche Prioritäten. Während einige Hersteller Matter als Chance sehen, ihre Produkte für ein breiteres Publikum zugänglich zu machen, nutzen andere den Standard nur als Marketinginstrument. Das führt zu einer Situation, in der Matter zwar offiziell unterstützt wird, aber in der Praxis oft nur halbherzig umgesetzt ist. Die CSA versucht gegenzusteuern, indem sie strenge Zertifizierungsprozesse einführt und Hersteller verpflichtet, ihre Produkte tatsächlich kompatibel zu machen. Doch die Kontrolle ist schwierig, und viele Geräte tragen das Matter-Logo, ohne wirklich vollständig kompatibel zu sein.

Die Nutzerperspektive: Warum viele Matter noch nicht nutzen

Für Endverbraucher ist die Situation frustrierend. Wer heute ein neues Smart-Home-Gerät kauft, muss oft noch immer darauf achten, ob es Matter unterstützt – oder ob es zumindest mit dem eigenen Ökosystem kompatibel ist. Viele Nutzer sind verwirrt, weil sie nicht wissen, welche Geräte wirklich funktionieren und welche nicht. Die Marketingversprechen der Hersteller sind oft unklar, und selbst offizielle Matter-zertifizierte Produkte können in der Praxis Probleme bereiten.

Ein konkretes Beispiel ist die Steuerung von Matter-Geräten über Sprachassistenten. Während Apple HomeKit und Google Home Matter-Geräte direkt unterstützen, ist die Integration bei Amazon Alexa oft unvollständig oder erfordert zusätzliche Schritte. Nutzer berichten von Situationen, in denen Geräte zwar Matter-zertifiziert sind, aber nicht mit allen Funktionen über Alexa steuerbar sind. Das führt zu einem Gefühl der Ungleichbehandlung und untergräbt das Vertrauen in den Standard.

Die CSA als Treiber: Wie die Allianz Matter vorantreibt

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Die Connectivity Standards Alliance spielt eine zentrale Rolle bei der Weiterentwicklung von Matter. Die Organisation hat es sich zur Aufgabe gemacht, Hersteller zu zertifizieren und sicherzustellen, dass Produkte tatsächlich kompatibel sind. Doch die Arbeit der CSA ist nicht einfach. Sie muss nicht nur technische Standards durchsetzen, sondern auch Hersteller davon überzeugen, ihre proprietären Lösungen zugunsten von Matter aufzugeben.

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Ein wichtiger Schritt war die Einführung von Matter 1.2, die neue Gerätekategorien wie Klimaanlagen und Sicherheitskameras unterstützt. Damit erweitert Matter sein Einsatzgebiet und wird für mehr Hersteller attraktiv. Die CSA arbeitet auch an der Verbesserung der Interoperabilität zwischen verschiedenen Protokollen, um die Integration älterer Geräte zu erleichtern. Doch der Prozess ist langsam, und es wird noch Jahre dauern, bis Matter wirklich flächendeckend funktioniert.

Die Konkurrenz schläft nicht: Alternativen zu Matter

Matter ist nicht der einzige Versuch, die Smart-Home-Branche zu vereinheitlichen. Andere Ansätze wie HomeKit von Apple oder Tuya Smart setzen weiterhin auf proprietäre Lösungen, die zwar weniger offen sind, aber in der Praxis oft besser funktionieren. Besonders im asiatischen Markt gewinnen lokale Standards an Bedeutung, die auf den dortigen Markt zugeschnitten sind. Diese Alternativen bieten oft bessere Kompatibilität innerhalb ihrer eigenen Ökosysteme, sind aber nicht mit Matter kompatibel.

Ein weiterer Konkurrent ist die Open-Source-Bewegung, die mit Projekten wie Home Assistant versucht, eine unabhängige Smart-Home-Lösung zu schaffen. Home Assistant unterstützt Matter zwar, setzt aber auch auf eine Vielzahl anderer Protokolle und Integrationen. Für technikaffine Nutzer ist das eine attraktive Option, doch für den Durchschnittsverbraucher ist die Einrichtung oft zu komplex.

Die Zukunft von Matter: Wird der Standard jemals durchbrechen?

Trotz aller Herausforderungen gibt es gute Gründe, optimistisch zu bleiben. Die CSA hat angekündigt, Matter kontinuierlich weiterzuentwickeln und neue Funktionen einzuführen. Besonders die Integration von KI-gestützten Steuerungen und automatisierten Abläufen könnte Matter attraktiver machen. Zudem arbeiten immer mehr Hersteller an der Zertifizierung ihrer Produkte, was die Kompatibilität erhöht.

smart speaker with app interface on phone

Doch der Erfolg von Matter hängt auch davon ab, ob die Tech-Giganten ihre Unterstützung wirklich ernst nehmen. Wenn Apple, Google und Amazon Matter nicht konsequent fördern, wird der Standard weiterhin nur eine Nische bleiben. Die CSA muss sicherstellen, dass Hersteller tatsächlich kompatible Produkte auf den Markt bringen – und nicht nur das Matter-Logo für Marketingzwecke nutzen.

Für Nutzer bedeutet das: Geduld ist weiterhin angesagt. Wer heute ein Smart-Home-System plant, sollte Matter-Produkte bevorzugen, aber auch bereit sein, auf proprietäre Lösungen zurückzugreifen, wenn die Kompatibilität nicht gegeben ist. Die Branche arbeitet an der Lösung – doch es wird noch Jahre dauern, bis Matter wirklich hält, was es verspricht.

Was Nutzer jetzt tun können

Wer bereits ein Smart-Home-System nutzt, sollte prüfen, ob seine Geräte Matter unterstützen oder ob Updates verfügbar sind. Viele Hersteller bieten Firmware-Updates an, die die Kompatibilität verbessern. Für Neugeräte empfiehlt es sich, gezielt nach Matter-zertifizierten Produkten zu suchen und auf Bewertungen zu achten, die die tatsächliche Kompatibilität bestätigen.

Technikaffine Nutzer können auch Home Assistant oder andere Open-Source-Lösungen in Betracht ziehen, um die Kontrolle über ihr Smart Home zu behalten. Diese Systeme unterstützen Matter zwar, bieten aber auch die Möglichkeit, ältere Geräte oder proprietäre Protokolle zu integrieren.

Die Smart-Home-Branche steht an einem Scheideweg. Matter ist die beste Chance, die Fragmentierung zu überwinden – doch der Standard muss noch viel Arbeit leisten, um sein Versprechen einzulösen. Bis dahin bleibt die Suche nach der perfekten Smart-Home-Lösung eine Herausforderung.

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