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Die nächste Goldgrube für Startups: Weniger bezahlen statt mehr abkassieren

Von Mag-Info Tech editorial · 2026-06-13

Die nächste Goldgrube für Startups: Weniger bezahlen statt mehr abkassieren

Andrew Yang hat eine klare These: Die nächste große Gründerwelle entsteht nicht durch neue Luxusprodukte, sondern durch Unternehmen, die ihren Kunden Geld zurückgeben, statt es einzusammeln. Statt teure Abos, überteuerte Medikamente oder hohe Mobilfunkgebühren zu akzeptieren, wird es immer attraktiver, Alternativen anzubieten, die grundlegende Bedürfnisse günstiger decken. Yang, bekannt durch seine Präsidentschaftskandidatur und seine UBI-Ideen, argumentiert, dass künstliche Intelligenz zwar viele Jobs verdrängt und Löhne unter Druck setzt, gleichzeitig aber ein riesiges ungenutztes Potenzial für Unternehmen entsteht, die Menschen bei den täglichen Ausgaben entlasten.

Sein eigenes Beispiel ist Noble Mobile, ein Mobilfunkanbieter, der seit September 2025 als sogenannter Mobile Virtual Network Operator (MVNO) auftritt und Mobilfunkverträge ohne versteckte Kosten anbietet. Kunden zahlen nur für die tatsächlich genutzten Daten und erhalten sogar eine Rückerstattung, wenn sie weniger verbrauchen als im Tarif vorgesehen. Das ist ein radikaler Bruch mit dem klassischen Modell der Mobilfunkanbieter, die Flatrates und Zusatzleistungen verkaufen, die viele Kunden gar nicht benötigen. Yang sieht darin ein Muster: Unternehmen, die gezielt die Grundkosten des täglichen Lebens senken, erschließen einen riesigen Markt – von Wohnen über Bildung bis hin zu Lebensmitteln.

Warum die klassische „Extraktion“ nicht mehr funktioniert

Die traditionellen Geschäftsmodelle vieler Branchen basieren darauf, Kunden möglichst viel abzunehmen – sei es durch Abo-Fallen, versteckte Gebühren oder psychologische Tricks wie „kostenlose“ Testphasen, die später teuer werden. Doch diese Strategie stößt zunehmend auf Ablehnung, besonders bei jüngeren Zielgruppen, die Transparenz und Fairness fordern. Yangs Argumentation geht noch weiter: Angesichts der fortschreitenden Automatisierung und der damit verbundenen Jobverluste wird es für viele Haushalte immer schwieriger, die steigenden Lebenshaltungskosten zu stemmen. Gleichzeitig konzentriert sich ein immer größerer Anteil des wirtschaftlichen Werts in den Händen weniger Tech-Konzerne.

Unternehmen wie Cost Plus Drugs zeigen, dass es auch anders geht. Die Apotheken-Plattform verkauft verschreibungspflichtige Medikamente zu Herstellungspreisen plus einer kleinen Marge, ohne die sonst üblichen Zwischenhändleraufschläge. Das Ergebnis: Kunden zahlen oft nur einen Bruchteil dessen, was sie bei traditionellen Apotheken oder Online-Shops ausgeben würden. Noble Mobile überträgt dieses Prinzip auf Mobilfunk – und Light Phone geht noch einen Schritt weiter, indem es schlichte „Dumb Phones“ ohne Smartphone-Funktionen anbietet, die ohne Ablenkung und ohne teure Datenverträge auskommen.

Für Gründer bedeutet das: Der Fokus verschiebt sich von der Maximierung des Umsatzes pro Kunde hin zur Minimierung der Kosten für den Kunden. Das ist kein Wohltätigkeitsmodell, sondern eine klare Marktlücke. Wer es schafft, grundlegende Bedürfnisse deutlich günstiger zu bedienen, kann nicht nur Kunden gewinnen, sondern auch eine treue Community aufbauen, die bereit ist, für Transparenz und Fairness zu zahlen.

Die Rolle der KI: Wertabschöpfung vs. Wertumverteilung

Yang verweist darauf, dass künstliche Intelligenz zwar enorme Produktivitätsgewinne ermöglicht, gleichzeitig aber viele Jobs überflüssig macht oder deren Löhne drückt. Während Tech-Giganten wie Google, Microsoft oder Nvidia Milliarden mit KI-Anwendungen verdienen, profitieren normale Haushalte oft kaum davon. Die Folge: Die Schere zwischen Arm und Reich geht weiter auseinander, und immer mehr Menschen kämpfen damit, ihre Miete, Studiengebühren oder Lebensmittel zu bezahlen.

Seine Lösung: Startups sollten nicht nur neue Produkte entwickeln, sondern gezielt die Kosten für existenzielle Ausgaben senken. Das kann durch effizientere Lieferketten geschehen, wie es Online-Supermärkte wie Misfits Markets tun, die überschüssige Ware von Bauernhöfen und Lebensmittelherstellern günstig anbieten. Oder durch direkte Partnerschaften mit Herstellern, um Zwischenhändler zu umgehen – wie Cost Plus Drugs. Oder durch radikale Vereinfachung, wie Light Phone es vormacht.

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Yang ist überzeugt, dass diese Strategie nicht nur sozial verträglich ist, sondern auch wirtschaftlich lukrativ. Schließlich geben Haushalte einen Großteil ihres Einkommens für Wohnen, Mobilität und Lebensmittel aus. Wer es schafft, hier spürbare Einsparungen zu erzielen, kann nicht nur Kunden gewinnen, sondern auch Skaleneffekte nutzen, um die Preise weiter zu drücken. Langfristig könnte sich daraus ein neuer Standard entwickeln: Kunden erwarten nicht mehr nur gute Produkte, sondern faire Preise.

Noble Mobile: Ein konkretes Beispiel für das neue Modell

Noble Mobile startete im September 2025 als MVNO und nutzt das Netz eines etablierten Mobilfunkanbieters, bietet aber eigene Tarife an, die deutlich unter den Preisen der großen Carrier liegen. Der Clou: Kunden erhalten eine Rückerstattung, wenn sie weniger Daten verbrauchen als in ihrem Tarif vorgesehen. Das ist ein radikaler Bruch mit dem klassischen Mobilfunkmodell, bei dem Kunden oft für Leistungen zahlen, die sie nicht nutzen.

Die Idee dahinter ist simpel: Statt Kunden zu überreden, höhere Tarife zu buchen, gibt das Unternehmen ihnen einen Anreiz, effizienter mit Daten umzugehen – und belohnt sie dafür. Das schafft nicht nur Vertrauen, sondern auch eine Win-Win-Situation: Der Kunde spart Geld, und der Anbieter kann durch Skaleneffekte profitabel arbeiten. Noble Mobile zeigt damit, dass das Prinzip „Weniger bezahlen, mehr zurückbekommen“ auch in etablierten Branchen funktioniert – vorausgesetzt, das Geschäftsmodell ist konsequent auf Kostensenkung und Transparenz ausgelegt.

Für andere Gründer ist Noble Mobile ein Vorbild dafür, wie sich selbst in gesättigten Märkten noch Innovationen durchsetzen lassen. Statt gegen die Großen zu konkurrieren, setzen solche Startups auf ein anderes Wertversprechen: Sie verkaufen nicht mehr das Maximum an Leistung, sondern das Minimum an Kosten. Das ist kein Nischenmodell, sondern könnte eine Blaupause für ganze Branchen werden.

Wohnen, Bildung, Lebensmittel: Wo die größten Hebel liegen

Yang nennt Wohnen, Bildung, Lebensmittel, Sprit, Transport, Medien und Mobilfunk als die größten Kostentreiber im Alltag. Diese Bereiche bieten besonders viel Potenzial für Startups, die gezielt die Ausgaben ihrer Kunden senken wollen. Ein Beispiel ist der Wohnungsmarkt: Während Mieten in vielen Städten weiter steigen, experimentieren einige Startups mit alternativen Wohnmodellen, etwa Co-Living-Spaces mit flexiblen Verträgen oder Genossenschaftsmodellen, die Mieteinnahmen wieder in die Gemeinschaft investieren.

Im Bildungsbereich gibt es Ansätze, die auf Open-Source-Lernmaterialien setzen oder günstige Online-Kurse anbieten, die ohne teure Zertifikate auskommen. Lebensmittel sind ein weiterer großer Hebel: Neben Misfits Markets setzen auch andere Startups auf direkte Lieferketten von Bauernhöfen zu Verbrauchern, um Zwischenhändler und Supermarktaufschläge zu umgehen. Selbst bei Sprit und Transport experimentieren Gründer mit Carsharing-Modellen oder Elektrofahrrad-Verleihen, die günstiger sind als der Besitz eines eigenen Autos.

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Der gemeinsame Nenner dieser Ansätze ist die Idee, dass Grundbedürfnisse nicht teuer sein müssen. Stattdessen setzen diese Startups auf Effizienz, Transparenz und direkte Partnerschaften mit Herstellern oder Dienstleistern. Für Investoren könnte das ein interessanter Trend sein: Während viele Tech-Branchen bereits gesättigt sind, bieten diese „Cost-Reduction-as-a-Service“-Modelle noch viel Raum für Wachstum.

Die Herausforderung: Skalierung ohne Qualitätsverlust

Natürlich gibt es auch Hürden. Ein Geschäftsmodell, das auf radikale Kostensenkung setzt, muss sicherstellen, dass Qualität und Service nicht leiden. Bei Noble Mobile etwa könnte es schwierig werden, die Rückerstattungen langfristig zu finanzieren, wenn die Kundenzahlen stark steigen. Ähnlich verhält es sich bei Lebensmittel-Startups: Wenn die Nachfrage nach günstigen Produkten wächst, müssen die Lieferketten stabil bleiben, um Engpässe zu vermeiden.

Ein weiteres Risiko ist die Reaktion etablierter Anbieter. Große Mobilfunkanbieter oder Apothekenketten könnten versuchen, solche Modelle zu kopieren oder durch aggressive Preispolitik zu unterbieten. Allerdings haben Startups hier einen Vorteil: Sie sind agiler und können sich schneller anpassen. Zudem setzen sie auf eine klare Botschaft – Transparenz und Fairness –, die bei Kunden immer beliebter wird.

Für Gründer bedeutet das: Wer ein solches Modell aufbaut, muss nicht nur technisch und operativ stark sein, sondern auch ein tiefes Verständnis für die Bedürfnisse der Zielgruppe mitbringen. Es reicht nicht aus, einfach nur günstiger zu sein – das Angebot muss auch zuverlässig und nutzerfreundlich sein. Das erfordert oft mehr Aufwand als klassische Wachstumsstrategien, kann sich aber langfristig auszahlen.

UBI 2.0: Braucht es staatliche Eingriffe oder können Startups helfen?

Yang ist bekannt für seine Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen, um die Folgen der Automatisierung abzufedern. Doch in den letzten Jahren hat sich seine Haltung gewandelt: Statt allein auf staatliche Lösungen zu setzen, glaubt er zunehmend daran, dass Startups eine zentrale Rolle spielen können, um die Kaufkraft der Menschen zu stärken. Die Idee dahinter ist simpel: Wenn Unternehmen gezielt die Kosten für Grundbedürfnisse senken, kann das ähnlich wirken wie eine direkte Geldzahlung – nur ohne staatliche Bürokratie.

Allerdings gibt es Grenzen. Selbst die besten Startups können nicht alle Probleme lösen, etwa die hohen Mieten in Ballungsräumen oder die Kosten für eine hochwertige Ausbildung. Hier sind politische Maßnahmen unverzichtbar. Dennoch zeigt das Modell der „Cost-Reduction-Startups“, dass es Alternativen zur klassischen Umverteilungspolitik gibt. Statt darauf zu warten, dass der Staat handelt, können Gründer selbst aktiv werden und damit nicht nur Geld sparen, sondern auch Vertrauen in die Wirtschaft zurückbringen.

Für Investoren und Gründer könnte das ein spannender Ansatz sein: Statt in überteuerte Luxusmärkte zu investieren, lohnt es sich, in Unternehmen zu schauen, die grundlegende Bedürfnisse günstiger bedienen. Das ist kein kurzfristiger Hype, sondern eine langfristige Entwicklung, die durch technologische Fortschritte – etwa effizientere Lieferketten oder KI-gestützte Preisoptimierung – noch beschleunigt werden könnte.

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Was Gründer jetzt tun sollten

Für Startups, die in diesem Bereich aktiv werden wollen, gibt es mehrere Ansätze. Zunächst einmal lohnt es sich, genau zu analysieren, wo die größten Kostenblöcke in der Zielgruppe liegen – sei es Wohnen, Mobilität oder Lebensmittel. Anschließend sollte das Geschäftsmodell radikal auf Kostensenkung und Transparenz ausgelegt werden. Das bedeutet oft, Zwischenhändler zu umgehen, direkte Partnerschaften mit Herstellern einzugehen oder sogar auf unnötige Features zu verzichten.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Kommunikation. Kunden müssen verstehen, warum sie bei einem neuen Anbieter sparen können – sei es durch eine klare Preisgestaltung, Rückerstattungen oder schlicht durch die Tatsache, dass keine versteckten Gebühren anfallen. Noble Mobile macht das vor: Statt mit Werbung für „unbegrenzte Daten“ zu locken, wirbt das Unternehmen damit, dass Kunden nur das zahlen, was sie wirklich brauchen.

Schließlich sollten Gründer darauf achten, dass ihr Modell auch langfristig tragfähig ist. Das bedeutet, Skaleneffekte zu nutzen, ohne die Qualität zu opfern, und gleichzeitig sicherzustellen, dass das Unternehmen profitabel bleibt. Das ist kein einfacher Weg, aber einer, der sich auszahlen kann – sowohl finanziell als auch gesellschaftlich.

Fazit: Die nächste Gründerwelle kommt von unten

Andrew Yangs These ist einfach, aber radikal: Die nächste große Chance für Startups liegt nicht darin, neue Luxusprodukte zu erfinden, sondern darin, die Kosten für das tägliche Leben zu senken. Unternehmen wie Cost Plus Drugs, Noble Mobile oder Light Phone zeigen, dass dieses Modell funktioniert – und dass Kunden bereit sind, für Transparenz und Fairness zu zahlen.

In einer Zeit, in der künstliche Intelligenz viele Jobs verdrängt und die Lebenshaltungskosten weiter steigen, wird die Nachfrage nach solchen Angeboten weiter wachsen. Für Gründer bedeutet das: Wer es schafft, grundlegende Bedürfnisse deutlich günstiger zu bedienen, kann nicht nur einen Markt erschließen, sondern auch einen Beitrag dazu leisten, die Kaufkraft der Menschen zu stärken.

Es ist eine Entwicklung, die über reine Profitmaximierung hinausgeht – und genau das könnte sie so erfolgreich machen. Die nächste Gründerwelle kommt nicht von oben, sondern von unten: nicht durch neue Abos, sondern durch weniger Ausgaben.

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