Bluesky startet „Communities“ – dezentrale Gruppen im AT Protocol
Von Mag-Info Tech editorial · 2026-06-11

Bluesky entwickelt sich weiter: Nach der Einführung des eigenen Protokolls AT Protocol und der Möglichkeit, den Feed durch Algorithmen selbst zu gestalten, steht nun die nächste große Erweiterung an. Das Netzwerk führt 2025 „Communities“ ein – moderierbare, dezentrale Gruppen, die sich direkt in die Plattform integrieren. Laut Alex Benzer, Leiter des Produktbereichs bei Bluesky, ermöglichen Communities „tiefergehende Gespräche“ und das Zusammenfinden von Menschen mit gemeinsamen Interessen. Die neue Funktion nutzt das AT Protocol als Grundlage und soll das Netzwerk um eine wichtige soziale Komponente erweitern.
Die Ankündigung markiert einen wichtigen Schritt in der Entwicklung von Bluesky. Während die Plattform zunächst als Alternative zu Twitter begann, setzt sie nun auf ein eigenes, dezentrales Protokoll, das Nutzer:innen mehr Kontrolle über ihre Daten und Interaktionen gibt. Mit Communities wird diese Vision um eine strukturierte Gruppenfunktion ergänzt, die sich nahtlos in den bestehenden Feed einfügt. Für Nutzer:innen bedeutet das: Sie können sich in geschlossenen oder öffentlichen Räumen organisieren, ohne auf externe Plattformen wie Discord oder Slack ausweichen zu müssen.
Warum Communities jetzt kommen – und was sie von klassischen Gruppen unterscheidet
Bluesky positioniert sich seit seiner Gründung als Gegenentwurf zu zentralisierten sozialen Netzwerken. Während Plattformen wie X (ehemals Twitter) oder Facebook auf geschlossene, proprietäre Systeme setzen, basiert Bluesky auf dem offenen AT Protocol. Dieses Protokoll ermöglicht es, dass Nutzer:innen ihre Daten und Beziehungen selbst kontrollieren können – ein Grundprinzip der „Fediverse“-Bewegung, zu der auch Plattformen wie Mastodon gehören.
Communities sind keine einfachen Hashtags oder Listen, sondern eigenständige, moderierbare Räume innerhalb des Bluesky-Netzwerks. Sie lassen sich mit Themen wie „KI-Entwicklung“, „Open-Source-Software“ oder „Regionale Nachrichten“ verknüpfen und bieten Nutzer:innen die Möglichkeit, sich gezielt auszutauschen. Im Gegensatz zu externen Gruppen auf Plattformen wie Discord oder Slack bleiben diese Communities direkt in der Bluesky-App sichtbar und interagieren mit dem Haupt-Feed. Das bedeutet: Beiträge aus einer Community können im persönlichen Feed anderer Nutzer:innen erscheinen – vorausgesetzt, diese folgen der Community oder einem ihrer Mitglieder.
Ein weiterer Unterschied zu klassischen Gruppen ist die technische Grundlage. Da Communities auf dem AT Protocol aufbauen, sind sie nicht an Bluesky als Plattform gebunden. Theoretisch könnten sie auch auf anderen Anwendungen laufen, die das Protokoll unterstützen. Das entspricht der Vision von Bluesky, ein „soziales Internet“ zu schaffen, das nicht von einer einzigen Firma kontrolliert wird.
Technische Umsetzung: Wie das AT Protocol Communities ermöglicht
Das AT Protocol ist das Herzstück von Bluesky. Es handelt sich um ein dezentrales Protokoll, das Nutzer:innen erlaubt, ihre Identität, ihre Follower-Liste und ihre Inhalte selbst zu hosten – ähnlich wie bei E-Mail-Adressen, die bei verschiedenen Anbietern laufen können. Diese Dezentralisierung ist der Schlüssel für Communities, da sie es ermöglicht, Gruppen zu erstellen, die unabhängig von Bluesky selbst existieren.

Laut Bluesky wird die Community-Funktion als Erweiterung des Protokolls implementiert. Jede Community erhält eine eindeutige Kennung, ähnlich einer Webadresse, und kann von Nutzer:innen mit bestimmten Rechten (Moderator:innen, Mitglieder, Gäste) verwaltet werden. Die Moderationswerkzeuge sollen flexibel sein: Es wird sowohl automatische als auch manuelle Moderation geben, um Spam oder Hassrede zu kontrollieren. Da das AT Protocol offen ist, können Entwickler:innen zudem eigene Moderations-Tools oder Integrationen für Communities erstellen.
Ein weiterer Vorteil der technischen Umsetzung ist die nahtlose Integration in den Bluesky-Feed. Nutzer:innen müssen keine separate App öffnen, um an einer Community teilzunehmen. Stattdessen erscheinen Beiträge aus Communities direkt in ihrem persönlichen Feed, sofern sie der Gruppe folgen oder von Mitgliedern erwähnt werden. Das reduziert die Hürden für die Teilnahme und macht Communities zu einem natürlichen Bestandteil des Bluesky-Erlebnisses.
Moderation und Sicherheit: Wie Bluesky mit toxischen Inhalten umgeht
Ein zentrales Thema bei sozialen Netzwerken ist die Moderation von Inhalten. Bluesky hat in der Vergangenheit bereits gezeigt, dass es auf nutzerkontrollierte Moderation setzt – etwa durch die Möglichkeit, eigene Algorithmen für den Feed zu wählen oder unerwünschte Accounts zu blockieren. Mit Communities wird dieser Ansatz um eine weitere Ebene erweitert.
Jede Community kann ihre eigenen Moderationsregeln festlegen. Das reicht von geschlossenen Gruppen mit strengen Aufnahmekriterien bis hin zu öffentlichen Räumen mit automatischen Filterregeln. Bluesky plant, sowohl automatische Tools als auch manuelle Moderation zu unterstützen. Nutzer:innen, die eine Community erstellen, erhalten zunächst erweiterte Rechte, um Inhalte zu löschen oder Mitglieder auszuschließen. Langfristig könnte die Plattform jedoch auch ein Bewertungssystem einführen, bei dem Communities von der Community selbst bewertet werden – ähnlich wie bei Reddit, aber dezentral organisiert.
Sicherheit und Datenschutz spielen ebenfalls eine Rolle. Da Communities auf dem AT Protocol basieren, bleiben die Daten der Nutzer:innen unter ihrer Kontrolle. Beiträge und Mitgliedschaften werden nicht zentral gespeichert, sondern liegen bei den jeweiligen Nutzer:innen oder ihren Hosting-Anbietern. Das erschwert es externen Akteuren, Daten zu sammeln oder zu missbrauchen. Gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass Nutzer:innen selbst Verantwortung für ihre Daten tragen müssen – etwa durch die Wahl eines vertrauenswürdigen Hosting-Anbieters.
Monetarisierung und Wirtschaftlichkeit: Können Communities Geld verdienen?
Ein oft diskutiertes Thema bei sozialen Netzwerken ist die Monetarisierung. Während Plattformen wie X oder Facebook stark von Werbung abhängen, setzt Bluesky auf ein anderes Modell. Das AT Protocol ermöglicht es Nutzer:innen, ihre eigenen Daten zu hosten und zu kontrollieren – was auch neue Geschäftsmodelle eröffnet.
Communities könnten hier eine zentrale Rolle spielen. Bluesky hat bereits angekündigt, dass Communities sowohl kostenlos als auch kostenpflichtig sein können. Für letztere könnten Mitgliedschaften, exklusive Inhalte oder Spendenmodelle eingeführt werden. Denkbar sind auch Partnerschaften mit Unternehmen oder Creator:innen, die ihre Communities monetarisieren möchten. Da das Protokoll offen ist, könnten zudem Drittanbieter Tools entwickeln, die Communities bei der Verwaltung von Abonnements oder Zahlungen unterstützen.








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Ein konkretes Beispiel: Eine Community für Entwickler:innen könnte kostenpflichtige Tutorials oder exklusive Diskussionen anbieten. Eine andere für lokale Nachrichten könnte von lokalen Unternehmen gesponsert werden. Die Einnahmen würden dann entweder an die Community-Moderator:innen oder an die Plattform gehen – je nach Geschäftsmodell. Bluesky selbst könnte dabei eine Infrastruktur bereitstellen, ohne selbst die Kontrolle über die Inhalte zu übernehmen.
Nutzerfreundlichkeit: Wie einfach wird die Teilnahme an Communities?
Ein entscheidender Faktor für den Erfolg von Communities wird die Benutzerfreundlichkeit sein. Bluesky hat in der Vergangenheit gezeigt, dass es Wert auf eine intuitive Bedienung legt – etwa durch die Möglichkeit, den Feed-Algorithmus selbst zu wählen oder unerwünschte Inhalte zu filtern. Mit Communities soll dieser Ansatz fortgesetzt werden.
Die Erstellung einer Community soll über eine einfache Oberfläche möglich sein. Nutzer:innen können einen Namen, eine Beschreibung und Regeln festlegen. Anschließend können sie Mitglieder einladen oder öffentliche Beitrittsanfragen zulassen. Die Integration in den Feed bedeutet, dass Nutzer:innen Communities einfach folgen können – ähnlich wie bei Hashtags oder Accounts. Beiträge aus Communities erscheinen dann in ihrem persönlichen Feed, sofern sie die Community abonniert haben.
Ein weiteres Ziel ist es, die Teilnahme so niedrigschwellig wie möglich zu gestalten. Nutzer:innen müssen keine externe Plattform besuchen oder sich bei einem zusätzlichen Dienst anmelden. Alles läuft innerhalb von Bluesky ab. Gleichzeitig plant Bluesky, Tools bereitzustellen, die Moderator:innen bei der Verwaltung ihrer Communities unterstützen – etwa durch automatische Spam-Erkennung oder Statistiken zur Community-Aktivität.
Konkurrenz und Marktchancen: Wie positioniert sich Bluesky gegen etablierte Player?
Bluesky tritt mit Communities gegen etablierte soziale Netzwerke wie X, Facebook oder Reddit an – aber auch gegen dezentrale Alternativen wie Mastodon oder Lemmy. Der Unterschied liegt im technologischen Ansatz: Während Mastodon auf dem ActivityPub-Protokoll basiert und Lemmy auf einem Reddit-ähnlichen System, nutzt Bluesky das AT Protocol, das von Grund auf für soziale Netzwerke entwickelt wurde.
Ein Vorteil von Bluesky ist die Integration von Communities direkt in den Feed. Bei Mastodon oder Lemmy müssen Nutzer:innen oft zwischen verschiedenen Instanzen wechseln oder externe Tools nutzen, um Gruppen zu erstellen. Bluesky hingegen bietet eine einheitliche Oberfläche, die Communities nahtlos in das bestehende Ökosystem einfügt. Das könnte die Attraktivität für Nutzer:innen erhöhen, die eine einfache und intuitive Lösung suchen.

Gleichzeitig steht Bluesky vor Herausforderungen. Die Plattform ist noch relativ klein im Vergleich zu X oder Facebook, und die Einführung von Communities könnte zunächst nur einen kleinen Teil der Nutzer:innen ansprechen. Zudem muss Bluesky sicherstellen, dass die Moderation von Communities funktioniert – insbesondere bei großen oder kontroversen Gruppen. Ein weiterer Punkt ist die Akzeptanz des AT Protocols. Während es technisch fortschrittlich ist, muss es erst noch von einer breiteren Masse angenommen werden.
Was kommt als Nächstes? Die Roadmap für Bluesky und Communities
Bluesky hat angekündigt, dass Communities noch 2025 eingeführt werden. Die genaue Roadmap ist jedoch noch nicht im Detail bekannt. Klar ist, dass die Funktion zunächst in einer Beta-Version getestet wird, bevor sie für alle Nutzer:innen verfügbar gemacht wird. Parallel dazu arbeitet Bluesky an weiteren Verbesserungen des AT Protocols, etwa an der Skalierbarkeit und der Integration von Drittanbieter-Apps.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Zusammenarbeit mit Entwickler:innen. Da das AT Protocol offen ist, können externe Entwickler:innen eigene Anwendungen oder Erweiterungen für Communities erstellen. Das könnte die Funktionalität der Gruppen deutlich erweitern – etwa durch Integration von Videochats, Umfragen oder automatisierten Moderationstools.
Für Nutzer:innen bedeutet das: Wer sich für Bluesky interessiert, sollte die Entwicklungen genau verfolgen. Die Einführung von Communities könnte ein Wendepunkt für die Plattform sein – insbesondere, wenn es gelingt, eine kritische Masse an aktiven Gruppen aufzubauen. Gleichzeitig wird es spannend zu beobachten sein, wie Bluesky mit den Herausforderungen der Moderation und Monetarisierung umgeht.
Fazit: Communities als Game-Changer für dezentrale soziale Netzwerke?
Die Einführung von Communities markiert einen wichtigen Schritt in der Entwicklung von Bluesky. Mit der Funktion setzt die Plattform nicht nur auf technische Innovation, sondern auch auf ein neues soziales Modell: moderierbare, dezentrale Gruppen, die sich nahtlos in den Feed integrieren. Das könnte Bluesky zu einer ernsthaften Alternative zu etablierten sozialen Netzwerken machen – insbesondere für Nutzer:innen, die mehr Kontrolle über ihre Daten und Interaktionen wollen.
Gleichzeitig steht Bluesky vor Herausforderungen. Die Moderation von Communities, die Skalierbarkeit des AT Protocols und die Akzeptanz bei Nutzer:innen sind entscheidende Faktoren für den Erfolg. Wenn es gelingt, diese Hürden zu überwinden, könnten Communities tatsächlich ein Game-Changer für dezentrale soziale Netzwerke sein. Für alle, die sich für das Thema interessieren, lohnt es sich, die Entwicklungen bei Bluesky genau zu beobachten – denn die Einführung von Communities könnte der Beginn einer neuen Ära sozialer Netzwerke sein.
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