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Warum Stablecoins in Schwellenländern boomen – und das Geld trotzdem im Westen bleibt

Von Mag-Info Tech editorial · 2026-06-28

Warum Stablecoins in Schwellenländern boomen – und das Geld trotzdem im Westen bleibt

Stablecoins haben in den letzten Jahren einen beispiellosen Boom erlebt. Mit einem globalen Transaktionsvolumen von über 28 Billionen Dollar im Jahr 2025 haben sie nicht nur die klassischen Zahlungsnetzwerke wie Visa und Mastercard überholt, sondern sind zu einem zentralen Baustein der digitalen Finanzinfrastruktur geworden. Doch während die Zahlen beeindruckend sind, zeigt sich ein eklatantes Missverhältnis: Die meisten Gründer und Risikokapitalgeber sitzen nach wie vor in den USA und Europa, während die eigentliche Nachfrage aus Schwellenländern wie Nigeria, Argentinien oder Brasilien kommt. Dort sind Stablecoins längst kein Nischenthema mehr, sondern ein Überlebenswerkzeug für Millionen von Menschen.

Die Diskrepanz zwischen Gründer- und Nutzermap ist kein Zufall, sondern ein strukturelles Problem. Während in den Industrieländern Stablecoins vor allem von institutionellen Akteuren wie BlackRock, JPMorgan oder Fidelity genutzt werden, um tokenisierte Geldmärkte und Unternehmensabwicklungen zu bedienen, sind sie in Afrika, Lateinamerika und Teilen Asiens ein zentrales Instrument für den Alltag. In Nigeria nutzen über 26 Millionen Menschen Kryptowährungen, wobei mehr als die Hälfte davon USDT hält – ein klares Zeichen dafür, dass Stablecoins dort längst die Rolle von Banknoten übernommen haben. In Argentinien machen Stablecoin-Käufe mehr als die Hälfte aller Börsenumsätze aus, und in Lateinamerika insgesamt entsprechen die Stablecoin-Flüsse laut IMF-Daten bereits 7,7 Prozent der regionalen Wirtschaftsleistung. Die Frage ist nicht mehr, ob diese Märkte relevant sind, sondern warum das Geld und die Gründer dort noch immer nicht ankommen.

Die Gründer bleiben im Westen – die Nutzer im Globalen Süden

Die Konzentration von Gründern und Risikokapital in den USA und Europa ist kein neues Phänomen, aber im Fall von Stablecoins wird sie besonders problematisch. Laut Daten von Stablescape, einer Plattform, die über 3.000 Stablecoin- und Krypto-Fintech-Unternehmen weltweit beobachtet, stammen mehr als 60 Prozent der identifizierten Gründer aus Nordamerika und Westeuropa. Gleichzeitig zeigt die Plattform, dass über 1.300 dieser Unternehmen noch in der Frühphase stecken – ein Zeichen dafür, dass der Markt zwar wächst, aber nicht dort, wo die größte Nachfrage herrscht.

Dieses Ungleichgewicht hat mehrere Gründe. Zum einen sind die regulatorischen Hürden in den USA und Europa zwar hoch, aber kalkulierbar. Für Gründer ist es einfacher, in einem bekannten regulatorischen Rahmen zu arbeiten, selbst wenn dieser restriktiv ist, als sich in Märkten mit unklaren oder instabilen Rahmenbedingungen zu bewegen. Zum anderen sind die Kapitalflüsse in der Risikokapitalbranche traditionell stark auf bestimmte Ökosysteme konzentriert. Silicon Valley, New York und London sind nach wie vor die wichtigsten Knotenpunkte für Investitionen, während Regionen wie Afrika oder Südostasien oft nur als nachgelagerte Märkte wahrgenommen werden.

Doch diese Wahrnehmung entspricht nicht der Realität. In Nigeria, wo die Inflation bei über 30 Prozent liegt und die Landeswährung Naira kontinuierlich an Wert verliert, sind Stablecoins eine willkommene Alternative. Sie ermöglichen es den Menschen, ihr Geld vor der Entwertung zu schützen und grenzüberschreitende Transaktionen abzuwickeln, ohne auf teure und langsame Bankdienstleistungen angewiesen zu sein. Ähnliche Szenarien spielen sich in Ländern wie Argentinien, Venezuela oder der Türkei ab, wo Stablecoins längst zu einem integralen Bestandteil des Finanzsystems geworden sind. Die Ironie dabei: Obwohl diese Märkte die eigentliche Nachfrage generieren, erhalten sie nur einen Bruchteil der Investitionen, die in den USA und Europa fließen.

Warum institutionelle Player den Markt dominieren – und Startups leer ausgehen

Während die Gründerszene noch stark auf den Westen fokussiert ist, haben institutionelle Akteure längst erkannt, welche Chancen Stablecoins bieten. Unternehmen wie BlackRock, JPMorgan und Fidelity investieren massiv in tokenisierte Geldmärkte und Unternehmenslösungen, die auf Stablecoins basieren. Diese Projekte zielen vor allem auf den institutionalisierten Teil des Marktes ab, der bereits über etablierte Finanzinfrastrukturen verfügt. Für Startups bleibt in diesem Segment wenig Spielraum, da die großen Player nicht nur das Kapital, sondern auch die regulatorische Expertise und die Kundenbeziehungen mitbringen.

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Das Problem für Gründer ist, dass der Markt für Stablecoins bereits stark umkämpft ist. Die großen Emittenten wie Tether (USDT) oder Circle (USDC) dominieren den Handel, und neue Projekte müssen sich entweder als Nischenlösungen positionieren oder mit den etablierten Playern konkurrieren. Gleichzeitig fehlt vielen Startups der Zugang zu den Märkten, in denen Stablecoins tatsächlich gebraucht werden. In den USA und Europa gibt es zwar eine wachsende Nachfrage nach Stablecoins, aber diese ist oft spekulativ oder auf institutionelle Anwendungen beschränkt. In den Schwellenländern hingegen sind Stablecoins ein existenzielles Werkzeug – und genau dort fehlt es an lokalen Lösungen und Investitionen.

Ein weiterer Faktor ist die Infrastruktur. Während in den Industrieländern bereits eine gut ausgebaute digitale Finanzinfrastruktur existiert, müssen Startups in Afrika oder Lateinamerika oft bei null anfangen. Sie benötigen nicht nur Kapital, sondern auch Partnerschaften mit lokalen Banken, Zahlungsdienstleistern und Regulierungsbehörden, um ihre Lösungen erfolgreich zu etablieren. Viele Risikokapitalgeber scheuen jedoch das Risiko, in Märkte zu investieren, die sie nicht kennen, und bevorzugen stattdessen Projekte, die in vertrauten Ökosystemen angesiedelt sind.

Die Rolle der Regulierung: Ein zweischneidiges Schwert

Die Regulierung spielt eine zentrale Rolle in der Entwicklung des Stablecoin-Marktes. In den USA und Europa gibt es zwar klare, wenn auch strenge Regeln, die es Unternehmen ermöglichen, innerhalb eines definierten Rahmens zu operieren. In vielen Schwellenländern fehlt jedoch eine solche Klarheit. Einige Länder haben Stablecoins bereits verboten oder stark eingeschränkt, während andere sie zwar dulden, aber keine konkreten Richtlinien vorgeben. Diese Unsicherheit hält viele Investoren davon ab, in diese Märkte zu expandieren.

Gleichzeitig gibt es Fortschritte. In Ländern wie Brasilien oder Kolumbien arbeiten Regulierungsbehörden an Rahmenwerken, die den Einsatz von Stablecoins erleichtern sollen. In Nigeria hat die Zentralbank kürzlich Richtlinien für Krypto- und Stablecoin-Unternehmen veröffentlicht, um den Markt zu regulieren, ohne die Innovation zu ersticken. Diese Entwicklungen zeigen, dass sich die regulatorische Landschaft langsam, aber sicher verändert. Für Gründer bedeutet das: Wer heute in diese Märkte investiert, kann sich einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil verschaffen – vorausgesetzt, sie verstehen die lokalen Gegebenheiten und arbeiten eng mit den Behörden zusammen.

Doch die Regulierung ist auch ein Hindernis. In Ländern wie China oder Indien gibt es nach wie vor ein striktes Verbot von Kryptowährungen und Stablecoins, was den Markt für lokale Lösungen stark einschränkt. Selbst in Ländern mit positiveren regulatorischen Ansätzen, wie etwa Südafrika oder Kenia, bleibt die Unsicherheit ein großes Problem. Viele Gründer zögern, in Märkte zu expandieren, in denen sie nicht sicher sein können, ob ihre Lösung morgen noch legal ist.

Die kommenden Jahre werden zeigen, ob sich das Ungleichgewicht zwischen Gründern und Nutzern von Stablecoins auflösen lässt. Drei Entwicklungen könnten dabei eine zentrale Rolle spielen:

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Erstens: Die zunehmende Akzeptanz von Stablecoins in der traditionellen Finanzwelt. Wenn immer mehr Banken und institutionelle Investoren Stablecoins in ihre Produkte integrieren, könnte dies den Druck auf Startups erhöhen, sich auf Nischenmärkte oder lokale Lösungen zu konzentrieren. Gleichzeitig könnte diese Entwicklung auch neue Investitionsmöglichkeiten eröffnen, insbesondere in Regionen, die bisher unterrepräsentiert sind.

Zweitens: Die wachsende Bedeutung von DeFi und Web3-Anwendungen in den Schwellenländern. Viele Menschen in Afrika und Lateinamerika nutzen bereits dezentrale Finanzanwendungen, um Zugang zu Krediten, Versicherungen und Sparlösungen zu erhalten. Stablecoins sind ein integraler Bestandteil dieser Ökosysteme, und ihre Nutzung wird weiter steigen, sobald die Infrastruktur und die Nutzerfreundlichkeit verbessert werden. Für Gründer bedeutet das: Wer es schafft, benutzerfreundliche und kostengünstige Lösungen für diese Märkte zu entwickeln, hat die Chance, zu den Gewinnern der nächsten Dekade zu gehören.

Drittens: Die Internationalisierung der Risikokapitalbranche. Immer mehr Investoren erkennen, dass die größten Wachstumschancen nicht in den USA oder Europa liegen, sondern in den Märkten, die bisher vernachlässigt wurden. Unternehmen wie a16z Crypto oder Pantera Capital haben bereits begonnen, stärker in Afrika, Lateinamerika und Südostasien zu investieren. Dieser Trend könnte dazu führen, dass sich die Gründerlandschaft langfristig verschiebt – vorausgesetzt, die Investoren sind bereit, das höhere Risiko einzugehen und sich auf die lokalen Gegebenheiten einzulassen.

Praktische Empfehlungen: Was Gründer und Investoren jetzt tun sollten

Für Gründer, die im Stablecoin-Bereich aktiv sind oder sein wollen, gibt es mehrere konkrete Schritte, um die Chancen in den Schwellenländern zu nutzen:

  1. Lokale Partnerschaften aufbauen: Bevor ein Startup versucht, in einem neuen Markt Fuß zu fassen, sollte es lokale Partner suchen – sei es Banken, Zahlungsdienstleister oder Regulierungsbehörden. Diese Partnerschaften sind entscheidend, um Vertrauen aufzubauen und regulatorische Hürden zu überwinden.

  2. Nutzerfreundlichkeit priorisieren: In vielen Schwellenländern ist der Zugang zum Internet und zu Smartphones noch begrenzt. Startups sollten daher Lösungen entwickeln, die auch mit langsamen Netzwerken und einfachen Geräten funktionieren. Zudem ist es wichtig, die Nutzererfahrung so einfach wie möglich zu gestalten, um eine breite Akzeptanz zu erreichen.

  3. Regulatorische Klarheit suchen: Bevor ein Startup in einen neuen Markt expandiert, sollte es sich genau über die lokalen Regularien informieren. In einigen Ländern gibt es bereits klare Richtlinien, in anderen herrscht noch Unsicherheit. Wer frühzeitig mit den Behörden zusammenarbeitet, kann sich einen entscheidenden Vorteil verschaffen.

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Für Investoren gilt ähnliches:

  1. Risikobereitschaft erhöhen: Die größten Wachstumschancen liegen in Märkten, die bisher unterrepräsentiert sind. Investoren sollten bereit sein, höhere Risiken einzugehen und in Regionen zu investieren, die sie nicht kennen.

  2. Lokale Expertise aufbauen: Wer in Schwellenländern investieren will, sollte entweder selbst lokale Teams aufbauen oder mit Partnern zusammenarbeiten, die über das nötige Know-how verfügen. Ohne dieses Wissen ist es schwer, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

  3. Langfristig denken: Der Stablecoin-Markt ist noch jung, und viele Entwicklungen stehen erst am Anfang. Investoren sollten daher bereit sein, langfristig zu denken und nicht auf kurzfristige Gewinne zu setzen.

Fazit: Die Stunde der Schwellenländer schlägt – doch das Kapital bleibt zurück

Stablecoins sind längst kein Nischenthema mehr. Sie haben sich zu einem globalen Phänomen entwickelt, das Millionen von Menschen in den Schwellenländern das Leben erleichtert und gleichzeitig die traditionelle Finanzwelt herausfordert. Doch während die Nachfrage in Afrika, Lateinamerika und Teilen Asiens explodiert, bleibt die Gründerszene und das Risikokapital im Westen konzentriert. Dieses Ungleichgewicht ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von regulatorischen Hürden, fehlender Infrastruktur und traditionellen Investitionsmustern.

Die gute Nachricht ist: Die Zeichen stehen auf Veränderung. Immer mehr Investoren erkennen, dass die größten Chancen dort liegen, wo die Nachfrage am größten ist. Gleichzeitig arbeiten Regulierungsbehörden in vielen Ländern an Rahmenwerken, die den Einsatz von Stablecoins erleichtern. Für Gründer und Investoren, die bereit sind, das höhere Risiko einzugehen und sich auf die lokalen Gegebenheiten einzulassen, bieten sich enorme Chancen.

Die nächsten Jahre werden zeigen, ob sich das Ungleichgewicht auflösen lässt – oder ob die Schwellenländer weiterhin auf Lösungen aus dem Westen angewiesen bleiben. Eines ist jedoch klar: Wer heute in diese Märkte investiert, wird nicht nur finanziell profitieren, sondern auch einen Beitrag dazu leisten, die globale Finanzinfrastruktur gerechter und inklusiver zu gestalten.

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