US-Krypto-Lobby drängt auf unveränderte Verabschiedung des Staking- und Mining-Steuergesetzes
Von Mag-Info Tech editorial · 2026-06-23

Die US-Krypto-Branche hat in den vergangenen Wochen eine klare Botschaft an den Kongress gesendet: Das geplante Gesetz zur Besteuerung von Staking- und Mining-Belohnungen muss unverändert verabschiedet werden. Drei einflussreiche Lobbyverbände – die Blockchain Association, der Crypto Council for Innovation und The Digital Chamber – warnten in einem gemeinsamen Schreiben an den Vorsitzenden des House Ways and Means Committee, Jason Smith, sowie dessen demokratischen Kollegen Richard Neal, dass jede Nachbesserung des Entwurfs die dringend benötigte Rechtssicherheit gefährde. Der als „Tax Clarity for Mining and Staking Act“ bezeichnete Gesetzentwurf zielt darauf ab, die jahrzehntelange Grauzone bei der Besteuerung von Blockchain-Belohnungen zu beenden und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der US-amerikanischen Krypto-Infrastruktur zu stärken.
Hintergrund des Gesetzes ist eine seit langem bestehende Ungerechtigkeit im US-Steuerrecht: Aktuell werden Mining- und Staking-Belohnungen bereits zum Zeitpunkt des Erhalts als steuerpflichtiges Einkommen behandelt – selbst wenn die erhaltenen Kryptowährungen noch nicht in traditionelle Währungen umgewandelt oder anderweitig genutzt werden können. Diese Praxis führt bei vielen Betreibern zu erheblichen Liquiditätsengpässen, da sie Steuern auf Vermögenswerte zahlen müssen, die sie noch nicht realisiert haben. Der Gesetzentwurf soll diese Problematik lösen, indem er den Betroffenen die Wahl lässt, die Belohnungen entweder zum Zeitpunkt des Erhalts oder erst bei deren Verkauf zu besteuern. Damit würde das Konzept der „Phantom-Einkommensteuer“ zumindest teilweise entschärft werden.
Die Forderung nach einer unveränderten Verabschiedung des Gesetzes kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Krypto-Branche in den USA unter erheblichem regulatorischem Druck steht. Während die Lobbyverbände betonen, dass der Entwurf einen „dauerhaften Kompromiss“ darstelle, der sowohl Innovatoren als auch kritische Abgeordnete zufriedenstellen könne, gibt es auch Gegenwind. So hat der demokratische Abgeordnete Steven Horsford einen Änderungsantrag eingebracht, der die Steuerbefreiung für Staking- und Mining-Belohnungen auf maximal fünf Jahre begrenzen soll. Der Crypto Council for Innovation kritisierte diesen Vorschlag scharf und bezeichnete ihn als „Zerstörung“ des Gesetzesentwurfs, der zudem nur „vernachlässigbare Steuereinnahmen“ generieren würde.
Warum die Besteuerung von Blockchain-Belohnungen bisher problematisch ist
Das US-Steuerrecht behandelt Kryptowährungen seit jeher als Eigentum, nicht als Währung. Diese Einordnung führt dazu, dass jede Transaktion – einschließlich der Erzeugung neuer Coins durch Mining oder Staking – steuerlich relevante Ereignisse auslöst. Während dies bei klassischen Handelsaktivitäten nachvollziehbar ist, führt es bei Mining und Staking zu absurden Situationen: Ein Miner oder Staker, der beispielsweise Bitcoin durch das Validieren von Transaktionen erhält, muss diesen Vermögenswert sofort als Einkommen versteuern, obwohl er ihn möglicherweise erst Monate später zu Bargeld machen kann. Diese Praxis hat in der Vergangenheit zu Liquiditätsproblemen geführt, insbesondere bei kleineren Betreibern, die nicht über ausreichende Rücklagen verfügen, um die Steuerlast sofort zu begleichen.
Die Krypto-Branche argumentiert seit Jahren, dass diese Besteuerungspraxis die Wettbewerbsfähigkeit der USA im globalen Krypto-Rennen untergräbt. Länder wie Deutschland oder Portugal haben bereits Regelungen eingeführt, die Mining- und Staking-Belohnungen erst bei Realisierung besteuern. Die USA riskieren damit, Talente und Infrastruktur an jurisdictions mit klareren und faireren Steuerregeln zu verlieren. Der Tax Clarity for Mining and Staking Act soll diese Lücke schließen und den USA ermöglichen, ihre Position als führende Krypto-Nation zu behaupten.

Die Kernpunkte des Gesetzentwurfs
Der Tax Clarity for Mining and Staking Act sieht zwei zentrale Neuerungen vor. Erstens erhalten Miner und Staker die Wahl, ihre Belohnungen entweder zum Zeitpunkt des Erhalts oder erst bei deren Verkauf zu versteuern. Diese Flexibilität würde die Liquiditätsprobleme entschärfen und es den Betreibern ermöglichen, ihre Steuerlast besser zu planen. Zweitens soll der Entwurf klarstellen, dass die Belohnungen nicht als „Einkommen aus nichtselbstständiger Arbeit“ gelten, sondern als Kapitalerträge, die erst bei Realisierung besteuert werden. Diese Unterscheidung ist entscheidend, da sie die steuerliche Behandlung von Mining und Staking an die von anderen Investitionen angleicht.
Ein weiterer wichtiger Aspekt des Gesetzes ist die Klarstellung, dass die Belohnungen nicht als „Einkommen aus nichtselbstständiger Arbeit“ gelten, sondern als Kapitalerträge. Diese Unterscheidung ist entscheidend, da sie die steuerliche Behandlung von Mining und Staking an die von anderen Investitionen angleicht. Die Lobbyverbände betonen, dass diese Änderungen nicht nur die Rechtssicherheit für bestehende Akteure erhöhen, sondern auch neue Innovationen in den Bereichen DeFi und Proof-of-Stake-Blockchains fördern würden.
Gegenwind aus dem Bankensektor und politische Widerstände
Nicht alle Interessengruppen unterstützen den Gesetzentwurf in seiner aktuellen Form. Der amerikanische Bankenverband American Bankers Association (ABA) hat bereits Bedenken geäußert und argumentiert, dass die geplante Regelung Geldwäsche und Steuerhinterziehung begünstigen könnte. Die ABA fürchtet, dass die Möglichkeit, Steuern erst bei Verkauf zu zahlen, Anreize für missbräuchliche Praktiken schaffen könnte. Diese Kritik ist nicht völlig unbegründet, da Kryptowährungen aufgrund ihrer Pseudonymität ohnehin anfällig für illegale Aktivitäten sind. Allerdings halten die Krypto-Lobbyisten dagegen, dass die bestehenden Anti-Geldwäsche-Regeln (AML) und Know-Your-Customer-(KYC)-Vorschriften bereits ausreichend Schutz bieten.








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Ein weiterer politischer Stolperstein ist der bereits erwähnte Änderungsantrag von Steven Horsford. Der demokratische Abgeordnete argumentiert, dass die unbegrenzte Steuerbefreiung für Staking- und Mining-Belohnungen zu erheblichen Steuerausfällen führen könnte. Sein Vorschlag, die Befreiung auf fünf Jahre zu begrenzen, soll sicherstellen, dass die Belohnungen zumindest mittelfristig besteuert werden. Die Krypto-Branche lehnt diesen Kompromiss jedoch vehement ab und warnt davor, dass eine solche Regelung die Planungssicherheit für Unternehmen und Investoren zerstören würde. Ji Hun Kim, CEO des Crypto Council for Innovation, bezeichnete den Vorschlag als „Zerstörung“ des Gesetzesentwurfs und argumentierte, dass die erwarteten Steuereinnahmen aus einer solchen Regelung „vernachlässigbar“ seien.
Auswirkungen auf Miner, Staker und die Krypto-Infrastruktur
Sollte der Tax Clarity for Mining and Staking Act in seiner aktuellen Form verabschiedet werden, hätte dies erhebliche Auswirkungen auf die gesamte Krypto-Wertschöpfungskette. Für Miner würde die Möglichkeit, Steuern erst bei Verkauf zu zahlen, die Liquiditätssituation deutlich verbessern. Viele kleinere Mining-Betriebe in den USA, die derzeit mit hohen Stromkosten und regulatorischen Hürden kämpfen, könnten dadurch überleben. Gleichzeitig würde die Regelung den Ausbau der US-amerikanischen Mining-Infrastruktur fördern, was angesichts der aktuellen Dominanz Chinas und anderer Länder in diesem Bereich von strategischer Bedeutung ist.
Für Staker, insbesondere in Proof-of-Stake-Netzwerken wie Ethereum oder Cardano, wäre die neue Regelung ebenfalls von Vorteil. Viele Staker sind derzeit gezwungen, ihre Belohnungen sofort zu versteuern, obwohl sie diese oft erst nach Jahren realisieren können. Durch die Wahlmöglichkeit könnten sie ihre Steuerlast besser steuern und Liquiditätsengpässe vermeiden. Dies würde nicht nur die Attraktivität von Staking erhöhen, sondern auch die Stabilität der zugrundeliegenden Blockchains stärken, da mehr Teilnehmer bereit wären, ihre Coins langfristig zu binden.
Globale Implikationen: Werden die USA zum Krypto-Paradies?
Die Verabschiedung des Gesetzes könnte die USA zu einem attraktiveren Standort für Krypto-Unternehmen machen. Während Länder wie China und die EU weiterhin restriktive Regularien verfolgen, würde die USA mit klaren Steuerregeln für Mining und Staking eine Führungsrolle übernehmen. Dies könnte zu einem Brain-Drain aus anderen jurisdictions führen, bei dem Talente und Kapital in die USA abwandern. Gleichzeitig würde die Regelung die Entwicklung innovativer Blockchain-Projekte fördern, die auf Proof-of-Stake oder anderen Belohnungsmechanismen basieren.

Allerdings ist die globale Konkurrenz um Krypto-Investitionen und -Talente hart umkämpft. Länder wie Singapur, die Schweiz und die Vereinigten Arabischen Emirate haben bereits attraktive Rahmenbedingungen für Krypto-Unternehmen geschaffen. Die USA müssen daher nicht nur rechtliche Klarheit schaffen, sondern auch die Infrastruktur und die politischen Rahmenbedingungen verbessern, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können. Sollte der Gesetzentwurf verabschiedet werden, wäre dies ein wichtiger Schritt in diese Richtung – allerdings nur, wenn gleichzeitig andere regulatorische Hürden wie die SEC-Klagen gegen Krypto-Börsen oder die unklare Haltung der Federal Reserve zu Stablecoins angegangen werden.
Was kommt als Nächstes? Praktische Empfehlungen für die Branche
Für Unternehmen und Einzelpersonen, die von Mining oder Staking betroffen sind, ist es ratsam, sich auf mögliche Änderungen vorzubereiten. Sollte der Gesetzentwurf unverändert verabschiedet werden, müssten sie ihre Steuerplanung anpassen und entscheiden, ob sie die Belohnungen sofort oder erst bei Verkauf versteuern möchten. Hier wäre eine enge Abstimmung mit Steuerberatern und Rechtsanwälten ratsam, um die optimale Strategie zu entwickeln.
Für Investoren und Krypto-Enthusiasten ist es wichtig, die weitere Entwicklung des Gesetzgebungsverfahrens zu verfolgen. Sollte der Änderungsantrag von Horsford durchkommen, könnte dies die Attraktivität von Staking und Mining in den USA deutlich verringern. Gleichzeitig wäre es ratsam, die Reaktionen der Bankenlobby und anderer Interessengruppen zu beobachten, da diese möglicherweise weiteren Druck auf den Kongress ausüben werden.
Unabhängig vom Ausgang des Gesetzgebungsverfahrens sollten sich Unternehmen und Einzelpersonen darauf einstellen, dass die Besteuerung von Kryptowährungen in den kommenden Jahren ein zentrales Thema bleiben wird. Die USA stehen vor der Herausforderung, ein Steuerrecht zu schaffen, das Innovation fördert, ohne die Integrität des Finanzsystems zu gefährden. Der Tax Clarity for Mining and Staking Act könnte ein wichtiger Schritt in diese Richtung sein – vorausgesetzt, er wird in einer Form verabschiedet, die sowohl Klarheit als auch Flexibilität bietet.
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