Theker sammelt 85 Millionen Euro für vielseitige Fabrikroboter
Von Mag-Info Tech editorial · 2026-06-12

Die Automatisierung von Fabriken und Lagern hat in den letzten Jahren einen deutlichen Schub erfahren. Doch viele Lösungen folgen einem klassischen Muster: Roboter werden für eine einzige, eng definierte Aufgabe entwickelt und optimiert. Das funktioniert gut, solange die Abläufe vorhersehbar sind – etwa beim Einsortieren identischer Produkte in Kartons. Doch die Realität in der Industrie sieht oft anders aus: Aufgaben wechseln, Produkte variieren, und manuelle Tätigkeiten erfordern immer wieder neue Handgriffe. Genau hier setzt Theker an. Das spanische Startup aus Barcelona entwickelt Roboter, die sich nicht auf eine feste Form oder Funktion festlegen lassen. Stattdessen können ihre Komponenten – von Greifarmen bis zu Werkzeugen – je nach Bedarf ausgetauscht oder angepasst werden. Diese Flexibilität könnte den Unterschied machen zwischen teuren Speziallösungen und einer skalierbaren Automatisierung, die mit den Anforderungen der modernen Produktion Schritt hält.
Die jüngste Finanzierungsrunde des Unternehmens unterstreicht das Vertrauen, das Investoren in diese Vision setzen. Mit einem Volumen von 85 Millionen Euro handelt es sich um die bisher größte Series-A-Finanzierung eines Robotik-Startups in Europa. Geführt wurde die Runde von dem US-amerikanischen Risikokapitalgeber CRV, während weitere Investoren wie Samsung und Aglaé Ventures – das Investmentvehikel von Bernard Arnault, dem Vorsitzenden von LVMH – beteiligt waren. Die Mittel sollen genutzt werden, um die Produktion zu beschleunigen, neue Märkte zu erschließen und die Technologie weiterzuentwickeln. Doch was genau macht Thekers Ansatz so besonders, und warum könnte er die Automatisierungsbranche verändern?
Warum starre Roboter an ihre Grenzen stoßen
Die meisten Industrieroboter heute sind für eine sehr spezifische Aufgabe konzipiert. Ein Roboterarm, der in der Automobilindustrie Schweißarbeiten übernimmt, ist nicht dafür ausgelegt, später auch Verpackungen zu handhaben. Diese Spezialisierung führt zu hohen Kosten und langen Entwicklungszeiten, wenn sich die Anforderungen ändern. Zudem sind viele dieser Systeme auf große Stückzahlen ausgelegt – für kleine und mittlere Unternehmen lohnt sich die Investition oft nicht. Die Folge: Viele Betriebe verzichten trotz Fachkräftemangels auf Automatisierung, weil die Lösungen zu unflexibel oder zu teuer sind.
Theker geht dieses Problem anders an. Statt Roboter mit einer festen Form zu bauen, setzt das Unternehmen auf modulare Komponenten. Die Maschinen lassen sich je nach Aufgabe umrüsten – etwa von einem Greifarm für Kartons zu einem Werkzeug zum Sortieren von Textilien. Diese Flexibilität ermöglicht es, einen einzigen Roboter für verschiedene Schritte in der Produktion oder Logistik einzusetzen. Besonders in Branchen wie der Modeindustrie, wo Kollektionen häufig wechseln und Produkte unterschiedliche Formen und Materialien aufweisen, könnte diese Anpassungsfähigkeit entscheidend sein. Inditex, der Mutterkonzern von Zara, zählt bereits zu den frühen Unterstützern von Theker. Die Zusammenarbeit zeigt, dass das Startup nicht nur theoretische Lösungen anbietet, sondern bereits in realen Produktionsumgebungen getestet wird.
Die Herausforderung: Vom Labor zur Fabrikhalle
Ein häufiges Problem bei Robotik-Startups ist der sogenannte „Pilot-Fluch“. Viele Unternehmen entwickeln beeindruckende Prototypen, die jedoch nie den Sprung in den täglichen Betrieb schaffen. Theker betont, dass es genau diesen Fehler vermeiden will. Statt sich in langwierigen Forschungsprojekten zu verlieren, konzentriert sich das Team darauf, direkt in Logistikzentren oder Produktionshallen zu arbeiten, wo die Technologie sofort einen praktischen Nutzen entfalten kann. Das Unternehmen unterhält bereits einen Showroom in Barcelona und plant weitere Standorte in Europa und darüber hinaus. Diese Strategie hat einen klaren Vorteil: Sie verkürzt die Zeit bis zur Marktreife und ermöglicht es den Kunden, die Technologie direkt in ihren eigenen Abläufen zu erproben.
Doch der Weg dorthin ist nicht ohne Hürden. Eine der größten Herausforderungen besteht darin, die Software und Hardware so zu gestalten, dass die Umrüstung der Roboter möglichst intuitiv und schnell vonstattengeht. Theker setzt dabei auf KI-gestützte Steuerungssysteme, die es den Maschinen ermöglichen, sich selbstständig an neue Aufgaben anzupassen. Das bedeutet auch, dass die Roboter nicht nur mechanisch flexibel sein müssen, sondern auch über eine intelligente Steuerung verfügen, die neue Greiftechniken oder Bewegungsabläufe lernt. Diese Kombination aus Hardware- und Software-Innovation ist es, die Theker von klassischen Automatisierungslösungen abhebt.

Investoren sehen Potenzial in der Generalisten-Strategie
Die Liste der Investoren von Theker liest sich wie ein Who’s Who der globalen Technologie- und Luxusbranche. Neben CRV, einem der führenden Risikokapitalgeber in Europa, sind mit Samsung und Aglaé Ventures auch ein globaler Elektronikriese und das Investmentvehikel eines der größten Luxuskonzerne der Welt beteiligt. Diese breite Unterstützung unterstreicht, wie vielversprechend die Technologie eingeschätzt wird. Besonders interessant ist die mögliche Rolle von Samsung: Das Unternehmen steht zwar noch nicht als Kunde fest, doch es gibt bereits fortgeschrittene Gespräche. Sollte es zu einer Zusammenarbeit kommen, könnte Theker nicht nur einen wichtigen Abnehmer gewinnen, sondern auch Zugang zu Samsungs globaler Lieferkette und technologischer Expertise erhalten.
Für Theker selbst wäre eine solche Partnerschaft ein doppelter Gewinn. Einerseits könnte Samsung als Kunde die Technologie in großem Maßstab einsetzen, andererseits als Lieferant oder Investor die Glaubwürdigkeit des Startups stärken. Die Vision der Gründer Carla Gómez Cano und Jiaqiang Ye Zhu geht jedoch noch weiter: Sie wollen Theker nicht nur in der Mode- und Logistikbranche etablieren, sondern auch in schwerindustriellen Bereichen wie der Metallverarbeitung oder dem Maschinenbau. Dort sind die Anforderungen an Flexibilität und Robustheit noch höher, doch die potenziellen Einsparungen durch Automatisierung sind ebenfalls enorm.
Technologie im Detail: Wie funktioniert Thekers Ansatz?
Im Kern basiert Thekers Technologie auf drei Säulen: modulare Hardware, KI-gestützte Steuerung und eine offene Plattform für Drittanbieter. Die modularen Roboterarme und Greifsysteme lassen sich mit wenigen Handgriffen tauschen, ähnlich wie bei einem Baukastensystem. Die KI übernimmt dabei die Aufgabe, die neuen Komponenten zu erkennen und die Bewegungsabläufe entsprechend anzupassen. Das bedeutet, dass ein Roboter, der zuvor Kartons sortiert hat, nach dem Austausch eines Greifers sofort in der Lage ist, empfindliche Textilien zu handhaben – ohne dass ein Techniker eingreifen muss.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Skalierbarkeit. Theker setzt auf eine Cloud-basierte Steuerungsplattform, die es ermöglicht, mehrere Roboter gleichzeitig zu verwalten und ihre Aufgaben zentral zu koordinieren. Diese Plattform soll nicht nur die Effizienz steigern, sondern auch die Integration in bestehende IT-Infrastrukturen erleichtern. Für Unternehmen, die bereits ERP- oder MES-Systeme einsetzen, bedeutet das weniger Aufwand bei der Implementierung und mehr Flexibilität bei der Erweiterung.
Die offene Plattformstrategie könnte langfristig noch einen weiteren Vorteil bringen: die Möglichkeit für Drittanbieter, eigene Module oder Softwarelösungen zu entwickeln. Ähnlich wie bei Smartphones, wo Apps von externen Entwicklern stammen, könnte Theker so ein Ökosystem schaffen, das die Funktionalität der Roboter kontinuierlich erweitert. Das würde nicht nur die Attraktivität der Technologie erhöhen, sondern auch die Abhängigkeit von einzelnen Herstellern verringern.
Die Konkurrenz: Wer macht Ähnliches und wo liegt der Unterschied?








Echte Ergebnisse von MEFAIs KI. Erhalten Sie $50 Rabatt auf den Pro-Plan.
Gesponsert · Vergangene Leistung ist kein Indikator für zukünftige Ergebnisse. Keine Finanzberatung.
Theker ist nicht das einzige Unternehmen, das an flexiblen Roboterlösungen arbeitet. Unternehmen wie Universal Robots oder Franka Emika haben bereits seit Jahren modulare Roboterarme im Portfolio, die sich für verschiedene Aufgaben anpassen lassen. Allerdings richten sich diese Lösungen eher an kleinere und mittlere Unternehmen und sind oft auf leichtere Aufgaben beschränkt. Theker hingegen zielt auf den industriellen Großmaßstab ab – also auf Fabriken und Logistikzentren, in denen große Mengen an Gütern bewegt werden müssen.

Ein weiterer Konkurrent ist das US-amerikanische Startup Figure AI, das ebenfalls an vielseitigen Robotern arbeitet, allerdings mit einem stärkeren Fokus auf humanoide Formen. Theker setzt dagegen auf eine pragmatische, nicht-humanoide Bauweise, die sich stärker an den tatsächlichen Anforderungen der Industrie orientiert. Während humanoide Roboter oft als „Zukunftsvision“ vermarktet werden, geht Theker den pragmatischen Weg: Roboter sollen dort helfen, wo sie wirklich gebraucht werden – und das ohne unnötige Komplexität.
Ein weiterer Unterschied liegt in der Finanzierungsstrategie. Während viele europäische Startups auf staatliche Fördergelder angewiesen sind, hat Theker mit seiner Series-A-Runde gezeigt, dass es auch ohne öffentliche Subventionen Investoren überzeugen kann. Die Beteiligung von Samsung und Aglaé Ventures unterstreicht zudem das internationale Interesse an der Technologie.
Praktische Anwendungen: Wo Thekers Roboter bereits im Einsatz sind
Theker hat bereits erste Projekte in der Praxis umgesetzt, darunter eine Zusammenarbeit mit Inditex. In den Logistikzentren des Modekonzerns kommen die Roboter zum Einsatz, um Kleidung zu sortieren und zu verpacken. Da die Kollektionen bei Zara und Co. häufig wechseln, ist die Flexibilität der Roboter ein entscheidender Vorteil. Sie können sich schnell an neue Produktformen und -größen anpassen, ohne dass die Produktion unterbrochen werden muss.
Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die Lebensmittelindustrie, wo Roboter bisher oft an der Vielfalt der Produkte scheitern. Flaschen, Dosen, Beutel – jedes Produkt erfordert einen anderen Greifer und eine andere Handhabung. Thekers modulare Roboter können hier Abhilfe schaffen, indem sie je nach Bedarf umgerüstet werden. Auch in der Elektronikfertigung, wo kleine Bauteile mit hoher Präzision gehandhabt werden müssen, könnte die Technologie zum Einsatz kommen.
Die Gründer betonen, dass sie bewusst auf Pilotprojekte verzichten und stattdessen direkt in den operativen Betrieb einsteigen. Das bedeutet, dass die Roboter nicht in separaten Testumgebungen laufen, sondern direkt in den Produktionshallen der Kunden. Diese Herangehensweise hat den Vorteil, dass die Technologie schneller optimiert werden kann – schließlich sind die Anforderungen der Industrie oft komplexer als die der Forschung.

Was kommt als Nächstes? Die Roadmap von Theker
Mit den 85 Millionen Euro aus der Series-A-Runde hat Theker nun die finanziellen Mittel, um seine Technologie weiterzuentwickeln und zu skalieren. Ein zentraler Punkt der Roadmap ist der Ausbau der Produktionskapazitäten. Das Unternehmen plant, neue Fertigungsstandorte in Europa einzurichten, um die Nachfrage bedienen zu können. Gleichzeitig sollen weitere Showrooms eröffnet werden, um potenziellen Kunden die Technologie vorzuführen und sie bei der Integration zu unterstützen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Weiterentwicklung der KI-Steuerung. Ziel ist es, die Roboter noch autonomer zu machen, sodass sie sich noch schneller an neue Aufgaben anpassen können. Dazu gehört auch die Integration von maschinellem Lernen, um Bewegungsabläufe kontinuierlich zu verbessern. Langfristig könnte Theker so eine Art „Betriebssystem für Roboter“ entwickeln, das nicht nur die eigenen Maschinen steuert, sondern auch mit anderen Automatisierungssystemen kompatibel ist.
Parallel dazu will das Unternehmen seine Präsenz auf globalen Märkten ausbauen. Besonders interessant sind dabei Regionen mit hohem Automatisierungsbedarf, wie die USA oder Asien. Die Beteiligung von Samsung könnte hier eine wichtige Rolle spielen, da das Unternehmen über ein weitreichendes Netzwerk in der Elektronik- und Automobilindustrie verfügt. Sollte es zu einer Zusammenarbeit kommen, könnte Theker nicht nur einen wichtigen Kunden gewinnen, sondern auch Zugang zu neuen Technologien und Märkten erhalten.
Fazit: Flexibilität als Schlüssel zur nächsten Automatisierungswelle
Die Automatisierung der Industrie steht vor einem Paradigmenwechsel. Während die ersten Wellen der Robotik vor allem auf Spezialisierung und Effizienz setzten, wird in Zukunft die Flexibilität zum entscheidenden Faktor. Theker hat mit seiner modularen und KI-gestützten Technologie einen vielversprechenden Ansatz gewählt, der genau diese Anforderungen erfüllt. Die Finanzierung in Höhe von 85 Millionen Euro und die Unterstützung durch internationale Investoren unterstreichen das Potenzial der Lösung.
Für Unternehmen bedeutet das: Statt auf teure, starre Roboter zu setzen, könnten sie bald auf Systeme umsteigen, die sich schnell und einfach an neue Aufgaben anpassen lassen. Das reduziert nicht nur die Investitionskosten, sondern erhöht auch die Skalierbarkeit. Gleichzeitig könnten Arbeitsplätze in der Logistik und Produktion nachhaltiger gestaltet werden, da monotone Tätigkeiten automatisiert werden, während komplexere Aufgaben weiterhin von Menschen übernommen werden.
Doch der Erfolg von Theker hängt auch davon ab, ob es dem Unternehmen gelingt, seine Technologie in der Praxis zu beweisen. Die ersten Projekte mit Inditex sind ein guter Anfang, doch der Weg zur breiten Marktakzeptanz ist noch lang. Die nächsten Monate werden zeigen, ob Theker tatsächlich eine neue Ära der industriellen Robotik einläuten kann – oder ob die Herausforderungen der Umsetzung doch größer sind als erwartet. Eines ist jedoch klar: Die Nachfrage nach flexiblen Automatisierungslösungen wird weiter steigen. Unternehmen, die früh auf solche Technologien setzen, könnten sich einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil sichern.
Mehr in Künstliche Intelligenz

Anthropic stoppt Fable 5 und Mythos 5 nach Anweisung des Handelsministeriums
Nach einem abrupten Stopp durch das US-Handelsministerium bleiben Fable 5 und Mythos 5 nur noch in den USA nutzbar. Die Modelle wurden kurz nach ihrem Launch wegen nationaler Sicherheitsbedenken deakt

Anthropic stoppt Fable 5 und Mythos 5 – was bedeutet das für KI-Nutzer?
Anthropic hat nach einer US-Direktive den Zugang zu Fable 5 und Mythos 5 gesperrt. Was das für Nutzer und die KI-Branche bedeutet – und welche Modelle weiter verfügbar bleiben.

US-Regierung stoppt zwei Spitzenmodelle von Anthropic – ein Präzedenzfall für KI-Regulierung?
Die US-Regierung hat den Zugang zu zwei Hochleistungs-KI-Modellen von Anthropic gesperrt – mit globalen Folgen. Warum die Entscheidung riskant ist und was das für die Zukunft der KI-Sicherheit bedeute

